– und warum sie kein Karrierekiller sind

Vor einigen Jahren stand ich vor einer strategischen Besetzungsentscheidung, die für einen unserer Mandanten richtungsweisend war. Zwei exzellente Kandidaten. Unterschiedliche Profile. Unterschiedliche Risiken.

Ich erinnere mich gut an diesen Moment am späten Abend im Büro. Alle Fakten lagen auf dem Tisch. Und trotzdem war da dieser Gedanke: Wer ist die beste Wahl?

Ich habe entschieden. Bewusst. Mit Klarheit nach außen.
Und mit der inneren Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, falls es nicht perfekt laufen sollte.

Diese Erfahrung hat mir eines sehr deutlich gezeigt: Selbstzweifel sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind ein Zeichen von Verantwortung.

Die Frage ist nur - wie gehen wir damit um?

 

1. Zweifel als Qualitätsfilter - nicht als Entscheidungsbremse

Gerade reflektierte Führungskräfte kennen Phasen des Innehaltens. Wer Tragweite versteht, zweifelt.

Problematisch wird es erst, wenn aus Reflexion eine Blockade wird. Wenn jede Entscheidung zur persönlichen Bewährungsprobe wird. Wenn Organisationen beginnen zu warten.

Führung heißt nicht, ohne Zweifel zu sein.
Führung heißt, trotz Zweifel handlungsfähig zu bleiben.

 

2. Entscheidungen strukturieren - statt sie zu emotionalisieren

Selbstzweifel gewinnen dort an Macht, wo Entscheidungsprozesse unsystematisch sind.

Hilfreiche Fragen können sein:

  • Welche Informationen sind entscheidungsrelevant - welche nur beruhigend?
  • Ist die Entscheidung reversibel oder irreversibel?
  • Was kostet uns Zuwarten?

Viele Managemententscheidungen brauchen keine 100-prozentige Sicherheit. 70-80 % Klarheit reichen - kombiniert mit Konsequenz in der Umsetzung.

Perfektion ist kein Führungsprinzip. Verantwortung schon.

 

3. Zweifel brauchen den richtigen Resonanzraum

Was ich gelernt habe: Man darf Zweifel nicht isolieren - aber auch nicht ungefiltert multiplizieren.

Ein Geschäftsführungsteam, ein Beirat oder externe Sparringspartner sind essenziell. Dort dürfen Fragen offen gestellt werden.

Im eigenen Führungsteam hingegen braucht es Orientierung. Der Unterschied ist subtil, aber entscheidend:

  • „Ich weiß nicht weiter.“
    versus
  • „Es gibt zwei valide Wege. Ich tendiere zu A. Welche Risiken sehen Sie noch?“

Das eine verunsichert. Das andere aktiviert.

 

4. Die Rolle von HR: Reife vor Makellosigkeit erkennen

Gerade in der Auswahl und Entwicklung von Führungskräften erleben wir oft ein verzerrtes Idealbild: souverän, durchsetzungsstark, entscheidungsfreudig - ohne Zögern.

Doch die wirklich tragfähigen Persönlichkeiten sind nicht die Zweifelnden ohne Ende - und auch nicht die Unerschütterlichen ohne Reflexion.

Es sind jene, die:

  • Ambivalenz aushalten,
  • Perspektiven einholen,
  • entscheiden,
  • und aus Fehlern lernen.

Selbstzweifel sind kein Ausschlusskriterium für Top-Management.
Entscheidungsunfähigkeit ist es.

 

Fazit

Selbstzweifel gehören zur Führung - besonders dort, wo Entscheidungen Tragweite haben.

Sie sind kein Zeichen fehlender Eignung.
Sie sind ein Zeichen dafür, dass Verantwortung ernst genommen wird.

Die entscheidende Kompetenz ist nicht, keine Zweifel zu haben.
Sondern sie zu führen, bevor sie beginnen, die Organisation zu führen.

Und wenn auch Sie vor einer Entscheidung stehen, die mehr Fragen als Antworten aufwirft: Manchmal hilft ein neutraler Blick von außen. Dafür sind wir gerne da.

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Carola Scheffel, Geschäftsführerin
Geschäftsführerin

Was uns besonders wichtig ist? Integrität, Respekt, Verantwortung, Vielfalt, Fairness, Pioniergeist und gesellschaftliche Verantwortung. Sie geben uns die Leitlinie vor, wie wir mit unseren Kollegen, Partnern und mit Ihnen, unseren Kunden, zusammenarbeiten.

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